Berufsbild

Der Wagner oder auch “Stellmacher”, im Volksmund “Krummholz” genannt, stellte alle hölzernen Produkte her, die für den dörflichen, bäuerlichen Gebrauch nötig waren und die von

Schreiner, Zimmermann, Küfer, Schindelmacher und ggfls. dem Rechenmacher

nicht gemacht wurden.

Die Abgrenzung der verschiedenen Holzhandwerksberufe war notwendig, weil sie alle Bereiche des jeweiligen Berufsbildes betrifft:

Holzarten
Aufbereitung nach dem Holzeinschlag
Lagerung und Trocknungsprozess
Herstellung von Halbfertigprodukten vor dem Trocknungsprozess
Werkzeuge
Produktions- und Bearbeitungstechniken

Ein Küfer z.B. benutzt besondere Werkzeuge, die der Wagner nicht braucht (Hammer zum Festschlagen der Bereifung, Brenneisen zum Einbrennen der Literzahl, etc.). Er arbeitet auch produktionstechnisch mit Feuer zum Biegen der Fassdauben, was der Wagner im üblichen Fall nicht benutzt (wenn er Felgen nicht biegt – gebogene Felgen sind eher ein Merkmal der industriellen Fertigung).

Der Wagner als “Krummholz”

Während Schreiner, Zimmermann und Küfer vorwiegend gerade gewachsene Stämme verarbeiteten, suchte der Wagner, der ursprünglich Holz nicht bog, für bestimmte Zwecke Holz, das für die zu erarbeitende Form schon ideal gebogen war. Damit waren hoch belastete Teile durch eine Maserung, die durch das gesamte Werkstück führte, in idealer Weise stabil.

Es gibt viele Teile, die in vorgebogener Form verarbeitet wurden.

Bremsarm für die Vorderbremse eines Erntewagens

 

Dieser Bremsarm wurde grob aus einem krumm gewachsenen Ast herausgeschlagen. Es sind keine Sägespuren zu erkennen, d.h., er wurde gefertigt, als dazu noch keine Bandsäge zur Verfügung stand.

Im Trockenspeicher fand ich das folgende Holzstück:


Für den Nicht-Fachmann ist dies ein Stück altes Brennholz aus Eiche.

Sieht man genau hin, erkennt man die spezielle Krümmung und die schräge Abspaltung:

Wenn man die Produktpalette des Wagners kennt, sieht man, dass dieser zunächst nutzlos erscheinende Holzprügel das Halbfertigprodukt eines rechten Pflughörnchens ist, einer der beiden Haltegriffe für einen hölzernen Pflug:


Pflughörnchen sind in zwei Ebenen gebogen

Der zweite nähere Blick lässt erkennen, dass das Halbfertigprodukt nicht gesägt, sondern mit dem Breitbeil aus dem Vollholz geschlagen ist:

Sobald eine Bandsäge zur Verfügung stand, wurden diese Halbfertigprodukte mit der Bandsäge für den Trocknungsprozess in Form gesägt:

Wenn ich noch mit dem Breitbeil in Form geschlagene Pflughörnchen als Halbfertigprodukte im Trockenspeicher habe, sind diese über 100 Jahre alt, weil die Bandsäge 1920 schon in der Werkstatt stand.

PRODUKTPALETTE des Wagners

1. Große Arbeitsgeräte zur Feldbestellung und für den Obstbau

– Pflug

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– Egge (auch Furchenegge)

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Furchenegge

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– Baumleiter

2. Arbeitsgeräte in Stall und Hof

– Schemel

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– Böcke (z.B. als Unterstellbock für den Waschzuber oder den Zuber zum Einlegen des Schinkens)

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3. Handgeführte Arbeitsgeräte sowohl für die Feld- und Waldarbeit als auch für Arbeiten auf dem Hof:
(Für diese wurden im Wesentlichen nur die Stiele vom Wagner gefertigt, während das eigentliche Gerät meist Schmiedearbeit war)
– Sense
– Säge
– Axt, Beil und Hippe
– Hacke und Karst
– Heurechen und Getreiderechen
– Heu- und Mistgabel

 4. Das wesentlichste Produkt des Wagners aber war das, was seinem Beruf den Namen gab: Wagen und Karren in verschiedensten Ausführungen

Beachtet werden muss die Abgrenzung zum Kutschen- und Chaisenbau.
Der Unterschied ist vergleichbar mit dem zwischen Lkw und Pkw.

– Bauernwagen

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– Lastenwagen (Bauernwagen in Schwerlastausführung)

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– Handwagen

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– Handkarren

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– Schubkarre

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– Schaltbär

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Die Wagnerinnungen sorgten für eine Harmonisierung in der Preisgestaltung

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Auftragsbuch

(folgt)