Monatsarchiv: April 2026

Führungstext

Lage des Grundstückes im Ortszentrum an der Bahnlinie
Eine typische Führung beginnt auf der Straße vor dem Hofeingang an der Bahnlinie.
Hier kann ich die Verknüpfung des Grundstücks mit der Ortsgeschichte erläutern.
Außerdem kann überblickt werden, was es bedeutet, dass das ursprüngliche Grundstück die volle Länge zwischen den beiden Bahnübergängen an Rathausstraße und Kirchstraße einnahm.

281/1 ist das jetzt noch bestehende Grundstück. 281/2 und sowie 281/4 sind die verkauften Grundstücksteile an der Ecke zur Kirchstraße. 281/3 ist die an die Gemeinde verkaufte Fläche für die Eisenbahnstraße. An der Kirchstraße und an der Rathausstraße befinden sich Bahnübergänge.

Das Grundstück hatte in den letzten 100 Jahren mindestens 5 verschiedene Adressen.
* 1797 hatten alle Häuser im Ort nur Hausnummern. Es gab noch keine Straßennamen.
* Nachdem das Rathaus 1912/13 gebaut wurde, gehörte das Grundstück als Hinterhofbebauung zur Rathausstraße (mit Überfahrtsrecht über das davor liegende Grundstück an der Rathausstraße).
* Während der Nazizeit erhielt die Rathausstraße einen naziorientierten Namen
* Danach wurde die Straße wieder in Rathausstraße umbenannt.
* Als 1950 die Straße an der Bahnlinie (über ehemalige Anteile unseres Grundstücks, die wiederum an die Gemeinde verkauft werden mussten) bis zur Rathausstraße durchgezogen wurde, hatte das Grunstück eine eigene Straßenanbindung an die Bahnhofstraße.
* Bei der Eingemeindung 1970 zu Gaggenau musste die politisch vereinnahmte Gemeinde Rotenfels ihre Bahnhofstraße umbenennen, weil die Stadt Gaggenau schon eine Bahnhofstraße hatte. Seit 1970 gilt also die Adresse in der Eisenbahnstraße.

Das heutige Grundstück (281/1) hat mit 1400 qm in nahezu quadratischer Form zwar eine für heutige Verhältnisse große Fläche, ist auch eines der größten privaten Grundstücke im Ortskern und bietet noch Raum für die Abtrennung eines großen Bauplatzes, verkörpert aber nur etwa die Hälfte dessen, was ursprünglich vorhanden war. Zum ursprünglichen Bestand gehörte sowohl ein Teil der Fläche, auf der sich heute die Bahntrasse befindet, die gesamte Fläche zwischen Grundstück und Bahnlinie als auch die Fläche des Anwesens zwischen dem heutigen Grundstück und der Kirchstraße, das als Baugrundstück in den 60er Jahren verkauft wurde.

Die weitere Nutzung ist zwar noch ungewiss. Ich werde aber versuchen, die Grundstücksgröße gegen den wirtschaftlichen Druck einer gewinnorientierten Nutzung zu erhalten. Die Größe des Grundstücks gehört als bestimmendes Element zur damaligen Verknüpfung von Handwerk und Landwirtschaft, was am denkmalgeschützten Erhalt der Kleintierstallungen (Hühnerstall und Saustall) abzulesen ist. Auch gehört Lagerraum für Nutzholz zum Konzept des erhaltenswerten Gesamtensembles.

Verluste von Grundstückanteilen
Die Murgtaleisenbahn-Gesellschaft kaufte in der Mitte des 19. Jh. Grundstücke für die Bahntrasse auf (ein Haus musste auch abgerissen werden) und verkaufte die nicht benötigten Anteile nach dem Bau der Bahnlinie um 1869 wieder an die früheren Eigentümer zurück. Dabei verlor das heutige Grundstück mit der Wagnerei schon einen Streifen, auf dem sich jetzt die Gleise befinden. 

In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts verkauften meine Eltern einen Bauplatz, der den “Hühnergarten” und Obstgarten mit “Bienenhütte” bis zur Kirchstraße verlängert hatte. Es war das Eckgrundstück Bahnhofstr./Kirchstr., das als Anhängsel an unserem Grundstück noch in der Bebauungsstruktur der Kirchstraße gefehlt hatte. Wir hatten – wie damals üblich – damit nicht nur Obstbäume beim Haus zur Verfügung, sondern konnten in diesem großen Hühnergarten auch während der Stallreinigung den beiden Schweinen im Grünen Auslauf bieten. Außerdem befand sich dort auch das Abraumlager mit den Trümmerresten des am 10.09.1944 zerbombten und abgebrannten Wohnhauses und das Holzlager als Anhängeschuppen am Wohnhaus Kirchstraße 10. Vor dem Verkauf wurde dieses Holzlager (offener Balkenschuppen mit Schleppdach) an die westliche Seite des Wohnhauses angehängt. Als schon während der 60er Jahre die Holzvorräte im Zuge des Niedergangs des Wagnerberufes kleiner wurden und 1970 das Wohnhaus vergrößert wurde, verschwand dieser Holzlagerschuppen. Die restlichen Holzvorräte wurden im Schuppen hinter der Werkstatt und unter der großen Terrasse des Wohnhauses gelagert, wo sie sich noch heute befinden.
Als wichtiges Element der alten großen Hühnergartens kam hinzu, dass es zur Kirchstraße hin ein Gartentor gab, das meinen Eltern während der Zeit der Einquartierung als Bombenopfer im 3. Stock des inzwischen abgerissenen Wohnhauses “Glaser-Riedinger” in der Kirchstraße 9, wo auch ich geboren wurde, die Möglichkeit gab, direkt aus der Einquartierung auf das eigene Grundstück zu gelangen.

Die Begrenzung zur Bahn hin bestand damals aus Sandsteinsäulen mit dem quadratischen Querschnitt von etwa 25×25 cm und einer Länge von etwa 2 Metern mit eingehängten Holzgattern. Der Abstand zwischen den Sandsteinpfosten betrug etwa 4 Meter und die Holzgatter waren per “Bajonett” eingehängt. Von diesen Sandsteinpfosten befinden sich noch welche auf dem Grundstück, einer direkt am Backhäuschen.

Folgen der Bombardierung vom 10.09.1944

Aufnahme wohl an einem späten Sonntagmorgen (Werkstattfensterläden sind geschlossen und Schattenwurf) im Frühjahr (Bäume sind in Blüte) 1945 oder 1946.

1   Haus Jörger steht noch
2   Werkstatt
3   Das neue Wohnhaus steht noch nicht, womit der Blick auf das Haus Buchs frei ist
4   Bahnlinie
5   Trümmer des zerbombten Hauses
6   Lattenzaun mit Sandsteinposten, der ursprünglich auf rund 100m Länge das Grundstück zur Bahnlinie abgrenzte
7   Über viele Generationen Lagerplatz von Brennholz für den Backofen (Hirschkäfer)
8   Bienenhütte
9   Lager für Nutzholz, mit Blechen abgedeckt
10 Steinhaufen vom Trümmergrundstück ausgelesen


Reste der Trümmer aus dem zerbombten Gebäude sind noch heute auf dem Grundstück zu finden und bestehen hauptsächlich aus Sandsteinplatten aus dem Rotenfelser Steinbruch am Eichelberg.

Das Foto stammt wohl aus dem Frühjahr 1953 und zeigt das Grundstück mit der Lagerbuchnummer 281 (plus 282+283), damals noch nicht geteilt, mit neu gebautem Wohnhaus, Werkstatt und Backhäuschen. Die Eisenbahnstraße ist noch nicht fertig gebaut. Links im Bild steht noch das Haus Jörger, das abgerissen wurde. Die beiden Grundstücke zwischen 281 und der Rathausstraße (282 + 283) sind noch im Zustand nach der Räumung des Schutts aus der Bombardierung (Auf 283 war ein Bombentrichter). Ein Schäferkarren zeigt, dass hin und wieder Schafe auf den Trümmergrundstücken weideten. Wir holten dort als Kinder die Brennnesseln, die an unsere Schweine verfüttert wurden. Unser Wohnhaus ist noch im Rohbau und unverputzt. Es fehlt auch noch die Erweiterung, die erst 1970 hinzugefügt wurde. Die Gebäude rechts im Hintergrund sind aus der Kirchstraße. Das mittlere hohe war das inzwischen abgerissene Haus Glaser-Riedinger, in dem wir nach der Bombardierung untergebracht waren, in dem meine Eltern heirateten und ich geboren wurde.

Der Schutt aus dem zerbombten Wohnhaus hat die gesamte Fläche in diesem Bereich um etwa 30-40 cm angehoben, was man am Eingang zur Werkstatt erkennen kann. Wo vorher ein ebenerdiger Zugang war, ist heute eine Stufe abwärts, die keinen barrierefreien Zugang in die Werkstatt mehr bietet.

Bei einer Führung mit Ausstellung, der typischen Situation zum Tag des offenen Denkmals und bei regenfreiem Wetter, ist der Hofbereich voller Ausstellungsstücke, deren Zusammensetzung bei jeder Ausstellung wechselt und auch Bezug zum Motto des Tages hat. Auf jeden Fall ist die Vielfalt der Produkte des Wagners zu erkennen, der für den landwirtschaftlichen Bedarf alles aus Holz macht, was der Zimmermann, der Schreiner und der Küfer nicht machen.

Berufsbezeichnung
Alles, was Räder hat, macht das Kernsegment des Berufes aus. Daher auch die Berufsbezeichnung “Wagner”, vom Wagenbau abgeleitet. Weitere Bezeichnungen sind Stellmacher oder Rad(e)macher, die eigentlich nur jeweils einen Teilaspekt des Wagenbaus ausmachen, trotzdem teilweise Synonym für Wagner darstellen und auch als Familiennamen immer noch präsent sind. 
Eine weitere prägende Bezeichnung für den Beruf des Wagners ist “Krummholz”. Das rührt daher, dass der Wagner für alle Anwendungen aus Gründen der Stabilität möglichst entsprechend gewachsenes Holz benutzt. Er biegt Holz nicht, wie das als prägendes Element der Fassherstellung den Küfer-Beruf ausmacht, sondern benutzt das Holz “wie gewachsen”.

Konfektionierung beim Fällprozess für den Trocknungsprozess
Daher hat der Wagner entweder einen eigenen Wald oder hat von der Gemeinde ein Stück Wald gepachtet, in dem alles wächst, was er verarbeitet. 
Beim Sonntagsspaziergang durch “seinen” Wald sortiert der Wagner Bäume, Stämme und Äste schon vor in Verwendungsgattungen, sodass der Fällprozess schon ein fortgeschrittenes Element im vorher schon festgelegten Ausleseprozess darstellt. Die Verwendung in “Gattungen” bestimmt die Konfektionierung im Zuschnitt. Ein Eichenstamm, aus dem Naben gedreht werden, kann schon in typische Nabenlängen gesägt werden, bzw. in deren doppelte oder dreifache Länge. Ein Akazienstamm, der zu Speichen verarbeitet wird, hat entweder Speichenmaß oder eben das doppelte oder dreifache Längenmaß im Zuschnitt.  Während für Naben Stämme oder Äste im passenden Durchmesser gewählt werden, werden Akazien beim Zurichten des Halbfertigproduktes vor dem Trocknungsprozess gespalten (um die durchgehende Maserung aus Stabilitätsgründen zu erhalten) und danach grob in Form gerichtet.
Eschen oder Buchen werden zumeist in Dielen von 6-8 cm Stärke zersägt und dann luftig zur Trocknung gelagert. Typisches Anwendungsprodukt ist die Herstellung von Felgen.

Markgraf Wilhelm von Baden, der Bruder des Großherzogs Leopold, gestaltete das Fabrikgebäude der Steingeschirrfabrik von 1817 bis 1827 in ein Sommer- und Jagdschlösschen um (Schloss Rotenfels). Ab 1820 legte er auch ein Mustergut an (heutiges Hofgut Rotenfels). Er war ein besonderer Förderer von Forst- und Landwirtschaft und ist z.B. auch dafür verantwortlich, dass viele nicht landestypische Baumarten bei uns angepflanzt wurden, z.B. auch die Hickory-Bäume am Eichelberg, aus denen mein Vater alle Axt- und Beilstiele machte.

Im Zug der ressourcenschonenden Nutzung von Holz wurde von der markgräflichen Herrschaft in Rotenfels ein Nutzholzmagazin (1780-1840) gebaut, das eingeschlagenes Holz in Gattungen vorbereitete und im Trocknungsprozess verwaltete, um es danach an Handwerker zu verkaufen. Eben diese Einrichtung gestattete es dem ersten Wagner aus der Familie Krieg, “Franzjörg” Krieg, im Jahr 1797 in Rotenfels eine Wagnerei zu gründen, obwohl er keine 10 Jahre Vorlaufzeit für Holzeinschlag, Konfektionierung von Halbfertigprodukten und den Trocknungsprozess hatte. 

Werkstatt-Gebäude
Das Werkstattgebäude selbst mit angehängtem Holz-Schuppen ist original aus dem Jahr 1898 und wurde in den 60er Jahren mit neuem Dach und Verputz versehen. Es besteht aus Eichenfachwerk, mit Backsteinen ausgemauert. Außer Dachabdeckung und Verputz ist alles noch im Originalzustand.
Das Innere ist ebenerdig, mit gestampftem Lehmboden und nur dort, wo während dem WK I die Maschinen hinzukamen, mit Betonglattstrich versehen.

 Der Speicher ist ohne Dämmung und auf der nördlichen Giebelseite mit Schwartenbrettern beschlagen. Schwartenbretter sind die “Abfallbretter” beim Zersägen eines Nadelbaumes in Bretter, die an den äußeren Seiten noch mit der Rundung des Stammes versehen sind. Diese werden auf Lücke angebracht, sodass die Luft durch die Bretter zirkulieren kann. Damit wird Trocknungsraum für Halbfertigprodukte geschaffen. 

 Auch unter dem Dachvorsprung ist Trocknungsraum, wie man an den dort gelagerten Speichen-Rohlingen erkennen kann, die Heinrich Krieg noch bis in die wenigen Tage vor seinem Tod am 02.05.2002 fertigte. Es gab welche mit dem in blauer Kreide versehenen Datum 4/01.

Im derzeit nicht zugänglichen Anhängeschuppen steht die Hobelmaschine und befindet sich auch die “Radgrube”, in der Wagenräder eingespeicht wurden.
Außerdem lagern dort Holzvorräte.
Im selben Schuppen sind auch die Kleintierställe wie Hühnerstall und Saustall untergebracht und immer noch im Originalzustand. Auch sie gehören zum geschützten Denkmalkonzept.

Nachdem der Grundstücksanteil des großen Hühnergartens an der Kirchstraße verkauft war und auch die kommerzielle Nutzung der Werkstatt beendet wurde, wurde der alte Hühnergarten umgenutzt. Deshalb baute mein Vater eine Umzäunung für einen kleinen Hühnergarten. Meine inzwischen erfolgte Anhängung an das Schleppdach des Schuppens durch einen weiteren Holzschuppen nutzt diese Grundmauern und Betonpfähle des nicht mehr benötigten kleinen Hühnergartens. Ich baute also keinen neuen Schuppen, sondern überdachte nur den letzten Hühnergarten und versah diesen statt Zaun mit Bretterwänden.

Wenn man die Werkstatt betritt, sieht man am Türpfosten rechts unten die Mutter einer Eisenarmierung, die Türpfosten und Eckpfosten des Gebäudes zusammenhält. Sie ist eine für die damalige Zeit typische handwerklich vom Schmied in Einzelanfertigung hergestellte Vierkant-Mutter.

In der Werkstatt betritt man zunächst eine Granitplatte. Sie diente als Widerlager zum Einschlagen der Buchse in ein fertiges Rad – der letzte Arbeitsgang bei der Herstellung eines Rades. 

Von dort kann man den ganzen Raum überblicken.


An der Mitte der Stirnseite rechts steht eine Werkbank, die zur Erstausstattung gehört, wie fast alles in dieser Werkstatt. Hinter der Tür ist ein Hängeschränkchen mit Werkzeugen.
Zwischen Hängeregal und Fenster hängen Zapfenfräsen (aus Holz und Metall) zum Fräsen der runden Zapfen, mit denen die Speichen in die Felgen eingefügt sind. Am Hängeregal rechts hängen Breitbeile in Zimmermannsausführung.
Unter dem Fenster ist ein Steckregal für Schraubendreher und Zangen angebracht.

Zwischen den beiden Fenstern befindet sich ein offenes Regel mit Rauhbänken, Meißeln und weiterem Werkzeug. Darunter hängen verschiedene Hämmer.

In der Mitte der Wand, etwas versteckt zwischen Werkbank und Hängeregal ist eine Klappe nach außen, die es ermöglichte, lange Werkstücke auf der Bandsäge zu teilen. Man konnte so aus der Werkstattwand ins Freie ausfahren. Dies war z.B. notwendig für die Teilung von Leiterbäumen in zwei Hälften auf der bandsäge bei der Herstellung von Holzleitern. Diese bestanden in der Normalausführung aus jeweils 2 Hälften eines schlanken Nadelbaumstammes.
Vor der Werkbank steht rechts eine Kiste mit Keilen für das Spalten von Sterholz. Links daneben stehen Löffelbohrer, mit denen vor der Anschaffung der Buchsenlochfräse die Löcher für die Buchse als finaler Akt in der Radproduktion eingebohrt wurden. Neben der Granitplatte (hinter der geöffneten Tür) stehen große Vorschlaghämmer und Eisenaufsätze, mit denen die Buchse auf der Granitplatte in das fertige Rad eingetrieben wurde.

 Am Hängeregal links hängen Engländer und Franzosen, stufenlos verstellbare Schlüsselzangen, die gebraucht wurden, um die vor dem Aufkommen der industriellen Norm unterschiedlichen in Einzelfertigung vom Schmidt hergestellten Muttern zu greifen.

 

An der gegenüberliegenden Längswand befindet sich zunächst ein Fenster. Die nördliche Wand des Anhängeschuppens ist um diesen Bereich zurückgesetzt. Davor steht rechts die Kombinations-Rad-Maschine, mit der für die Herstellung von Rädern gedrechselt, gebohrt und gefräst werden konnte. Die Nabe wurde gedrechselt, die Speichenlöcher in den Felgen wurden gebohrt und die Längslöcher für die Fassungen in der Nabe wurden gebohrt und gefräst. Außerdem konnte das Rad zum Schluss außen plan gefräst werden. Um diesem Fenster sind Werkzeuge für die Montagearbeiten an der Radmaschine und für weitere Metallarbeiten angebracht.
In der Wand ist ein Loch in den Anhängeschuppen zum Bohren von Leiterbäumen. Dafür konnte in der Eingangstür zur Werkstatt eine Holzwelle angebracht werden. Dasselbe gab es im Schuppen. So konnten ohne eine weitere Hilfsperson auch lange Leiterbäume allein gebohrt werden. In dieser Öffnung hängen Drechselbeitel. Darüber ist ein Regal mit Zubehör. Da an der Wand eine gemauerte Bank angebracht ist, können auch dort Zubehörteile bereitgehalten werden. Auch Werkzeug zur Montage dieser Teile ist vorhanden. An der Wand sind auch Holzzapfen angebracht mit alten Nabenringen. 

Davor steht der Schleifstein, der für die Schärfung der Werkzeuge ständig benutzt werden musste. Er ist auf dem Bild durch eine alte Eichennabe teilweise verdeckt. Das Besondere an dieser Nabe ist der Umstand, dass sie auf der Vorläufer-Drehbank gedrechselt wurde, die ein Holzgestell hatte und von Menschenkraft über ein großes Schwungrad per Exzenterstange angetrieben war. Zu erkennen ist das an den Löchern zur Fassung der Nabe in der Maschine, die nicht von dieser Maschine stammen, sondern von der Erstausstattung der Werkstatt 1898 – der Zeit vor der Elektrifizierung. 

Nach der Radmaschine folgt die Bandsäge, die ebenfalls zur Erstausstattung nach der Elektrifizierung ab 1910 kam. An der Wand folgt der Zählerkasten mit der Verteilung des Stroms in der Werkstatt. Teilweise liegen noch die stoffummantelten 2-Phasen-Leitungen aus der Erstausstattung.

Die Schiebetür nach der Bandsäge führt in den Anhängeschuppen mit Radgrube, Hobelmaschine, Holzlager und Kleintierställen.

Der restliche Wandteil dient der Aufhängung von Werkzeugen, vornehmlich Handsägen.

In der Ecke, hinter dem Holzstapel, steht der Ofen, der im Winter dafür sorgte, dass in der Werkstatt gearbeitet werden konnte.

Die linke Stirnseite hat in der rechten Ecke nach dem Ofen eine Eisentür (hier verdeckt), die ebenfalls ermöglicht, mit langen Werkstücken die Bandsäge aus dem Freien anzufahren.
Danach hängt wieder ein Regal mit Schrauben und Nägeln.
Der restliche Wandteil an der Stirnseite ist für Schraubzwingen reserviert.

Darüber ist unter der Decke ein Hängeboden angebracht, auf dem Halbfertigprodukte und Werkstücke untergebracht sind. An der linken Hälfte der vorderen Begrenzung des Hängeregals hängen Holzhämmer unterschiedlichsten Ausmaßes und danach Umlenkrollen aus Holz.

Die Längsseite mit der Tür hat – wie die gegenüberliegende Seite – eine gemauerte Ablagebank, die aber fast komplett überlagert ist. Sie ist hauptsächlich neben dem Schraubstock unter dem Fenster zu sehen. Diese Wandseite bietet nach der Tür Platz für Hobel (1), darüber ein Regal mit Stemmeisen (2) und weiteren Werkzeugen (3) bis zur einer Sammlung von Äxten (4). Darunter stehen Axtstiele (5) und Pflughörnchen (6). Vor den Axtstielen stehen noch zwei Kisten mit Beilen, normale Beile und Richtbeile. Unter dem ersten Fenster ist ein Schraubstock fest montiert. Danach hängt eine Sammlung von großen 2-Mann-Sägen (7), Eisensägen (dahinter rechts vom Fenster) und weiteren Sägen (8). 
Der Rest der Wand mit dem zweiten Fenster wird von einer zweiten Hobelbank eingenommen, über der wieder ein Hängeregal (9) mit Feilen, Raspeln und Kleinteilen angebracht ist. Diese Hobelbank diente vornehmlich dem Zuschnitt von Speichen. Eine Speiche ist in die entsprechenden Bankhaken drehbar eingespannt. An der rechten Seite des Hängeregals zum Fenster hin hängen Speichenhobel. Zwischen Werkbank und Hängeregal ist eine Aufhängevorrichtung für Bohrleiern und Schnittmesser (10). An der restlichen Wand sind alte Regale für Einzelbohrer (11), die früher mit Holzheften zum Bohren großer Löcher verwendet wurden. Sie stammen wie das Regal dafür noch aus der Erstausstattung 1898.

Auch die Decke ist nicht ungenutzt.
An ihr sind Aufhängevorrichtungen für Bandsägenblätter und Umriss-Model für das Anzeichnen der Sägeumrisse für Wagenteile, wie man auf dem zweiten Bild vom Werkstattinneren sehen kann.

 

Übriggeblieben aus der Zeit vor der Elektrifizierung sind zwei Drehpunkte für Latten an der Decke. Sie dienten der Aufhängung von Laternen, mit denen man jeden Teil der Werkstatt beleuchten konnte.

 

 

  • Wird weitergeführt….