Werkstoff Holz

Als Einleitung ein historisches Dokument aus dem Jahr 1921

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In „Das Murgthal“ von Jägerschmid, Nürnberg 1800, zählt der Autor die Holzarten auf, die für den Bedarf des Wagners geschlagen, aufbereitet und für den Verkauf eingelagert werden:

Wagnerholz

Mein Vater verwendete für seine Produkte folgende Holzarten:

EICHE

Eichenholz ist das hochwertigste Holz, das wir zur Verfügung haben. Es ist sehr robust, stabil und wetterfest mit hoher Beständigkeit gegen Verrottung. Nicht ohne Grund ist das Eichengebälk mittelalterlicher Häuser heute noch stabil oder wurden Schwellen für die Eisenbahn aus Eiche produziert. Zumindest die Naben von Rädern wurden aus Eiche hergestellt. Aber auch weitere Teile von Lastenwagen, die für den kommerziellen Schwerlasttransport hergestellt wurden (Stammholz aus dem Wald oder Steine vom Steinbruch), waren aus Eiche.
Der typische Eichenwald liegt am Bergfuß, gleich nach dem Ackerland. In Rotenfels ist dies der „Sauwald“ am Fuß des Eichelberges. Seinen Namen hat er davon, dass der Sauhirt die Schweine dorthin führte, weil die Eicheln ein wichtiges Element in der Schweinenahrung waren.
In Mooren oder in Flusssedimenten eingeschwemmtes oder verbautes Eichenholz (Pfahlbauten) kann Hunderte und auch Tausende von Jahren alt werden („Mooreiche“) und ist danach noch fester.

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Akazie

Akazie ist nach der Eiche das stabilste und wetterfesteste Holz, das dem Wagner zur Verfügung stand. Typische Produkte sind Speichen und Leitersprossen.

Buche und Esche

Die Buche wird bei feuchter Lagerung innerhalb eines Jahres von Pilzen zerfressen und verliert dabei jeden Wert. Sie ist also sehr witterungsanfällig. Die Esche ist bedeutend weniger anfällig. Für den Erhalt des Wertes der Buche ist die Lagerung während der Trocknung sehr wichtig.
Typische Teile aus Buche oder Esche waren Felgen oder Wagenschemel.

Hickory

Diese amerikanische Nussart wurde auch bei uns angebaut, weil sie mindestens so zäh ist wie Hainbuche, dabei aber nicht den Nachteil der hohen Verastung hat. Typische Produkte sind schwer belastete Werkzeugstiele, wie z.B. für Äxte oder Beile.

Birke

Ich habe nie erlebt, dass mein Vater Birke verarbeitete. Traditionell wurde vom Wagner aber dort Birke verwendet, wo Festigkeit bei leichtem Gewicht gefragt waren, wie z.B. bei der Deichsel des Ackerwagens.

Tanne oder Fichte

Beim Ackerwagen wurden eigentlich nur die Bretter des Wagens aus Nadelholz hergestellt. Oder auch die Leiterbäume von Steigleitern.
Wenn für weitere Teile eines Wagens Nadelholz verwendet wurde, stellte dies eine leichte Version dar, die entsprechend weniger langlebig war oder als Einspänner für schmale und steile Wege benötigt wurde.

Der Wagner als „Krummholz“

Viele Produkte des Wagners sind gebogen. Beispiele sind die Deichselarme eines Wagens oder die Griffarme eines Pfluges. Während der Zimmermann hauptsächlich lange und vollkommen gerade gewachsene Balken verarbeitet, braucht der Wagner auch krumm gewachsenes Holz. Dies wächst am Besten im Hangwald einer Berglage, wo junge Bäume von der Schneelast talwärts abgebogen werden und im Frühjahr wieder nach oben weiter wachsen.
Hinzu kommt, dass gerade in Berglagen die Bäume langsamer wachsen mit dichteren Jahresringen, was die Festigkeit des Holzes erhöht.

Lagerung und Vorfertigung

Wie schon bei Jägerschmid oben zu lesen ist, werden Hölzer für den Wagner schon nach dem Holzeinschlag für die künftige Verarbeitung zu bestimmten Produkten unterschiedlich konfektioniert und gelagert.
Eine Eiche, die zu Naben verarbeitet werden soll, muss in Rollen geschnitten werden, aus denen danach Rohlinge für den Drehprozess geschlagen werden.
Eine Esche, aus der Felgen gesägt werden sollen, muss in Dielen von entsprechender Stärke gesägt werden.
Eine Akazie, die zu Speichen oder Sprossen weiterverarbeitet werden soll, muss in Rollen gesägt werden, aus denen danach die Rohlinge gespalten werden.