Werkzeuge

Gliederungspunkte

Vorbemerkung:

Meine Recherchen haben ergeben, dass es für die Entwicklung der Werkzeuge von der Antike bis heute keine Institution, kein Museum und keine Privatperson gibt, die sich dieses Themas insgesamt annimmt. Eigentlich müsste es ein Technikmuseum geben, das sich darum kümmert…
Deshalb findet man nur einzelne Sammlungen und Publikationen, die sich z.B. einem bestimmten Werkzeug widmen.
Eine umfassende Genealogie der Werkzeugtechnik scheint es nicht zu geben.
Ich bin für Informationen dankbar, die dieser Aussage widersprechen.
Mit dieser Auflistung möchte ich Beiträge zum Thema leisten.

Abgrenzung von anderen Holzhandwerksberufen

Die Handwerkzeuge des Wagners

Axt
Beil
Breitbeil
Mollenbeil, Dechsel
Hippe
Sachsensäge
Spaltkeil
Schäleisen
Hammer
Schnittmesser
Schabhobel
Ziehklinge
Raspel
Hobel
Stechbeitel
Säge
Bohrer
Zapfenfräse
Zirkel
Winkel
Schmiege
Anreißer
Schraubzwinge

Entwicklung der Werkzeuge
(Vom holzbasierten Handwerk zur stahlbasierten industriellen Fertigung)

Arbeitsmittel
(Hobelbank, Bankhaken, Fügbock, Schiebebock, Schnittstuhl, Radgrube, Schleifstein, Wagenheber, Kastenwinde)

Frühe Mechanisierung
(von Menschenkraft betriebene Drehbank)

Verschwinden von Werkzeugen durch die maschinengestützte Produktionstechnik

Abgrenzung der Berufsbilder des Zimmermanns, Schreiners und Küfers vom Wagner

Die wichtigsten Berufe, die Holz verarbeiteten, waren der Zimmermann, der Schreiner, der Küfer und der Wagner.
Daneben gab es noch den Rechenmacher.

Sie unterscheiden sich so sehr in der Art der verwendeten Hölzer, den Bearbeitungstechniken, den Werkzeugen und weiteren Bedingungen des Endproduktes, dass eine Spezialisierung notwendig war.

So gab es komplette Arbeitsabläufe, die in einem der Berufe essentiell waren, in den anderen aber gar nicht vorkommen. Ein Beispiel dafür sind die Biegetechniken, mit denen der Küfer die Eichendauben für ein Fass biegt. Oder die Radgrube, in der der Wagner die Speichen in die Nabe einschlägt. Sie wird nur von ihm gebraucht.

So verhält es sich auch mit den Werkzeugen. Die Löffelbohrer, mit denen vor Einsatz der handbetriebenen Buchsenlochfräse das Buchsenloch in die Nabe gebohrt wurde, werden von den anderen Berufen nicht verwendet. Wichtiger sonstiger Verwendungszweck waren die Löffelbohrer als Deichelbohrer, mit denen hölzerne Wasserleitungen hergestellt wurden. Weil diese Deichelbohrer aber einen entsprechend langen Schaft hatten, waren sie wiederum Spezialwerkzeuge, die ein eigenes Berufsbild prägten.


Deichelbohrer (Museumsdorf Kürnbach)

Die Handwerkzeuge des Wagners

Bezüglich der Reihenfolge der von mir vorgestellten Werkzeuge beginne ich dort, von wo für den Wagner seine Arbeit ausgeht: Beim Fällen der Bäume.

Axt, Spaltaxt


Äxte in der Werkstatt


Handgeschmiedete Axt mit Stiel aus Hickory, gefertigt von  meinem Vater oder Großvater – d.h. mindestens schon seit 70 Jahren in Gebrauch


Die Prägung auf der handgeschmiedeten Axt könnte vom Dorfschmied für “Franzjörg” Krieg (Johann Franz Krieg) um 1800 gefertigt worden sein

Eine Spaltaxt ist schwerer, ihre Schneide hat Keilform und sie ist mit einer verstärkten Rückseite ausgestattet, damit diese auch als Hammer benutzt werden kann, mit dem Spaltkeile ins Holz getrieben werden.
Der obere Teil des Stammes, wo die Äste abzweigen, ist auch mit einem starken Hydraulikspalter nicht zu zerlegen. Mit mehreren Keilen und einer Spaltaxt ist das aber möglich.


Vergleich Axt und Spaltaxt


Spaltaxt und Spaltbeil

In einer Zeit, zu der Äxte und Beile von Hand geschmiedet werden mussten und wo Qualität nicht genormt war, konnte es schon geschehen, dass ein Spaltbeil den schweren Belastungen nicht standhielt und brach.
Damals war es einfacher, das Beil zu schweißen, als ein neues Beil zu schmieden.
Heute ist ein neues industriell gefertigtes Beil billiger als die Arbeit des Schweißens.


Werdegang eines Axtstiels aus Hickory

Früher war auf jedem größeren Bauernhof ein Schnittstuhl mit Schnittmesser zur Verfügung, um einfachere Reparaturarbeiten selbst erledigen zu können. So wurden auch manchmal Beilstiele selbst hergestellt, denen man ansehen konnte, dass sie nicht vom Profi gemacht wurden.

Beil

Das übliche Beil dient zum Spalten von Holz oder zum Zerkleinern von dünnen Ästen oder Reisig. Dafür wird ein Hackklotz benutzt – ein etwa 60 bis 80 cm hoher Abschnitt eines Baumstammes.

Äxte und Beile

Äxte und Beile


Beile, die mein Vater schon vor 50 Jahren für mich einstielte und mit Monogramm (FjK) versah


Der Stiel für das unterste Beil wurde von keinem Profi gemacht. In großen Bauernhöfen standen Schnittstühle und es waren auch Werkzeuge vorhanden, um solche Produkte auch selbst herzustellen.

Breitbeil

Das Breitbeil dient nicht zum Spalten, sondern zum gestaltenden Bearbeiten von Holz. Mit ihm wird das Werkstück aus dem Vollholz geschlagen und in seine grobe Form gebracht.

In der Zerspanungstechnik von Holz ist es das rudimentärste Handwerkszeug. Es fehlt jede Führung außer der frei schwingenden und gestaltend geführten Arbeitshand.

Das Breitbeil hat drei Merkmale:

  • Die Schneide ist nur einseitig geschliffen
  • Der Stiel ist gebogen, um beim Behauen von planen Flächen die Finger der Arbeitshand zu schützen
  • Das Haus (Aufnahme) für den Stiel liegt nicht wie beim Beil zentrisch über der Schneide, sondern asymmetrisch, damit eine plane Bearbeitungsseite entsteht

Dieses Werkzeug verlor seine Bedeutung mit dem Aufkommen der elektrischen Bandsägen als eine der wichtigsten Bearbeitungsmaschinen von Holz in den Handwerkstätten der Ortschaften.

Links Äxte und Beile mit zentrisch angeordnetem Haus,
rechts Breitbeile mit asymmetisch angeordnetem Haus.

Das Breitbeil hat für Linkshänder eine andere Form als für Rechtshänder.
Für Rechtshänder ist der Stiel zum Körper des Bearbeitenden nach rechts außen geschwungen und die linke Beilseite ist als Bearbeitungsseite plan.

Da alle Breitbeile in meiner Werkstatt Rechtshänder-Beile sind, waren alle meine Vorfahren Rechtshänder.

Das gestaltende Arbeiten mit schweren Breitbeilen ist harte Arbeit. Deshalb gibt es auch kleinere Beile mit kurzen Stielen.

Das folgende schwere Breitbeil macht deutlich, warum Wagner wie Schmiede körperlich entsprechend konditioniert waren – sie machten täglich das, was man heute Bodybuilding nennt…

Mein Vater hatte den Ehrgeiz, diesen Stiel eines Breitbeiles nicht wie üblich in geschwungener Form auszuarbeiten, sondern abgekröpft.

Dieses Breitbeil ist sehr leicht geschmiedet und hat einen geraden Stiel.

Das Monogramm stammt von Heinrich Krieg senior (*1878). Er dürfte diesen Stiel auch noch vor dem Jahr 1900 gefertigt haben.

Auch dieses über 100 Jahre alte Breitbeil aus der Wagnerei Krieg hat einen geraden Stiel.

Dieses stattliche Breitbeil stammt nicht aus der Wagnerei. Es hat alle Merkmale eines Breitbeiles, nur ist der Stiel nicht geschwungen, sondern das Haus für den Stiel ist in der Fertigung des Metallteiles schon schräg angesetzt.

Dieses kleine, leichte Breitbeil ist mit Nagelzieher versehen und das Haus für den Stiel ist schräg angesetzt, so dass es mit einem geraden Stiel versehen werden kann.

Dechsel, Mollenbeil

Beim Dechsel und beim Mollenbeil steht die Schneide nicht in derselben Flucht wie der Stiel, sondern im rechten Winkel dazu.

Dechsel

Mollenbeil

Hippe

Die Hippe (regional mit unterschiedlichen Bezeichungen, z.B. “Schweizer Gertel”) ist kein allein wagnerspezifisches Werkzeug. Sie wurde in einer Zeit verwendet, in der in jedem Haushalt ein Küchenherd mit Holzfeuerung betrieben wurde und zu jedem Bauernhaus ein Backofen gehörte, der mit Holz befeuert wurde. Die Hippe diente zum “Ernten” von Reisig und dünneren Ästen.

Da der Wagner sein Holz oft aus dem eigenen (Pacht-)Wald bezog, gehörte die Hippe zum üblichen Werkzeugfundus. Mit ihr wurden die dünneren Beastungen vom Nutzholz entfernt.


Mit einer Hippe wurden dünnere Äste freigehauen. Zum Sammeln von dünnerem Feuerholz konnte der Haken an der mittleren Hippe zum Auflesen von Ästen genutzt werden, ohne sich ganz bücken zu müssen.


Hippen in verschiedenen Formen


Noch nicht im Rahmen der Eingliederung in die Sammlung aufgearbeitete Hippen


Der Übergang von der Hippe zum Schlachterbeil
Ganz links eine Hippe – alles andere sind Schlachterbeile, die schwerer und mit besseren Griffen versehen sind.
Diese Stücke sind noch nicht zu Ausstellungszwecken aufbereitet.


So präsentieren sich die Beile nach der Aufbereitung


Diese  beiden Hippen wurden als Spalteisen verwendet, wie solche vom Schindelmacher zum Abspalten von Schindeln benutzt werden.
Allerdings zeigen die Schlagspuren am Messer, dass es nicht sachgerecht mit Holzschlägel benutzt wurde, sondern mit Eisenhammer.

  Hippen in verschiedener Ausführung

Säge (Sachsensäge, Blattsäge, Zweimann-Schrotsäge)

Mit dieser Säge wurden vor der Verwendung der Kettensäge Stämme und starke Äste abgelängt.

Weitere Sägen werden im späteren Verlauf des Kapitels “Werkzeuge” geschildert.


Die Sachensägen unterscheiden sich in der Länge, der Zähnung ….


… und in der Art der Fassung der Griffe.


Noch nicht zu Ausstellungszwecken aufbereitete Sägen


Mein Vater und mein Großvater in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts beim Sägen eines Baumstammes mit der Sachsensäge

Keil (Spaltkeil)

Spalthammer

Ein Spalthammer wird benutzt, um die Keile ins Holz zu treiben.
Die Rückseite der gewöhnlichen Axt ist üblicherweise nicht belastungsfähig genug und auch zu leicht. Es sei denn, man benutzt eine Spaltaxt.

Eisenkeil mit Holzschaft


Alte Spaltkeile mit Holzschaft
Die Keile wurden benutzt, um das Sterholz zu spalten.
Außerdem braucht man einen Fällkeil, um den Baum in die gewünschte Richtung zu neigen.
Der mittlere Keil hat am oberen Rand keinen Stabilisierungsring und kann deshalb so nicht verwendet werden. Das Holz würde zerbrechen.

Obwohl die Holzschäfte aus Hartholz (Eiche, Hainbuche) sind, werden sie durch die harte Beanspruchung immer wieder zerstört

Spaltkeile in Einzelanfertigung durch den Schmied haben unterschiedliche Dimensionen. Die Holzschäfte müssen passgenau dazu angefertigt werden.


Heute wäre die Einzelanfertigung in Handarbeit zu teuer.
Neue Holzschäfte aus dem Fachhandel (rechts) sind genormt und bedürfen deshalb auch einer Norm für das Haus im Eisenkeil für die Schäftung

Eine besondere Form des Spaltkeils konnte ich im Bauernhausmuseum Wolfegg finden:

 
Die Bedienung muss allerdings von zwei Personen erfolgen.

Eisenkeil

 
Eisenkeile ohne Holzschaft werden direkt mit dem Spalthammer geschlagen. Da dieser aus Metall bestehen muss, um die Kraft zu erzeugen, die nötig ist zum Spalten von astigen Stammteilen, wird der Kopf des Keiles entsprechend beansprucht. Da die Dämpfung durch den Holzschaft fehlt, ist die Schlagwirkung auch sehr direkt.

Holzkeil


Besonders der Teil des Stammes, in dem sich die Krone in Äste aufteilt, ist extrem schwer zu spalten. Man braucht zunächst mehrere Eisenkeile, um einen Ansatz für eine Teilung zu finden. Um die Verastung aufzubrechen, müssen breitere Holzkeile aus Hartholz verwendet werden.
In einem solchen Fall kommt auch ein starker Hydraulik-Spalter an seine Grenzen. Die alte Methode mit Keilen funktioniert aber.

Schäleisen


Mit dem Schäleisen wurde die Rinde von Stämmen und Ästen abgeschält

Hammer

Vorschlaghammer

 
Vorschlaghammer mit 5 – 8 Kilo Gewicht. Die unregelmäßige Form spricht für Handschmiedearbeit. Die Stiele sind von meinem Vater oder Großvater gemacht.
Typische Arbeit ist das Einschlagen der Buchse in die Nabe.

Fäustel

 
Schwere Fäustel mit 2 – 3 kg Gewicht.
Typische Arbeit ist das Einschlagen der Speichen in die Nabe.

 
Leichte Fäustel mit 1 – 1,5 kg Gewicht

Hammer


Zum Einschlagen verschiedener Größen von Keilen und Stiften (Nägeln) aus Holz oder Metall werden auch verschiedene Hammergrößen benötigt

Holzhammer


Um die Holzgriffe von Werkzeugen wie z.B. Stemmbeitel schonend zu behandeln, werden diese mit Hämmern oder Schlägeln aus Holz benutzt. Diese können verschiedenste Formen haben. Einigen der hier präsentierten sieht man die häufige Benutzung über Jahrzehnte deutlich an.

 

Die verschiedenen Hauptelemente eines Bauernwagens werden mit Karrosserienägeln zusammengehalten.

 
Deren Kopf wird immer wieder auch in Hammerform ausgebildet, um für kleinere Arbeiten rund ums Fuhrwerk immer einen Hammer zur Verfügung zu haben.

Hämmer gehören wohl zu den Werkzeugen mit den vielfältigsten Formen und Verwendungszwecken.

Auch die Materialien können sehr unterschiedlich sein.

Hämmer aus Eisen, Kupfer, Holz, Kautschuk und Gummi. Ihr unterschiedlicher Härtegrad bestimmt den Verwendungszweck.
Mollenhauer, die Wannen und Tröge aus Stämmen fertigen, benutzen statt Holzschlägeln auch Hämmer aus gewickelter Rinderhaut.

Manche Hämmer sind für einen besonderen Verwendungszweck gefertigt.


Diese Sammlung von Hämmern ist zwar sehr unterschiedlich geformt, dient aber nur einem sehr eng begrenzten Verwendungszweck, der sich auf den ersten Blick nicht erschließt.


Erst wenn man das verjüngte Ende das Hammers näher betrachtet, verrät die Nut, dass es Küfer-Hämmer sind, mit denen die Reifen am Fass festgetrieben werden. Ein Hammer wird mit der Nut am Reifen angesetzt, mit einem zweiten Hammer wird der Reif durch Schläge auf den ersten Hammer festgetrieben.
Nicht nur Küfer benutzten solche Hämmer. Sie gehörten zum Standardwerkzeug in jedem größeren Most- oder Weinkeller mit Holzfässern.


Diese Hämmer dienten Steinhauern zum Zerkleinen von Steinen.


Die langen schwingenden Stiele sind Hinweis auf den Verwendungszweck

Alle Handwerker, die Holz im Wald erwarben, signierten das von ihnen erworbene Holz mit einem Signierhammer. Er hat eine Seite, die wie ein kleines Beil ausgeformt ist, um Rinde abzuschälen und die andere Seite mit den Insignien des Handwerkers.

Schnittmesser (Zugmesser oder Zieheisen)

Das Schnittmesser ist nach dem Breitbeil die nächste Stufe der Führungsmöglichkeit der zerspanenden Klinge in der Holzbearbeitung. In diesem Fall wird das Messer mit beiden Händen geführt und erlaubt damit präzisere Arbeiten als mit dem Beil.

Das Schnittmesser wird meist auf dem Schnittbock benutzt.
Es wird bei der Bearbeitung mit beiden Händen zum Körper gezogen.


Je nach Bearbeitungszweck gibt es verschiedene Längen.


Von meinem Vater wurde aber nur eine mittlere Länge benutzt.


Das ist das typische Schnittmesser eines Wagners.

Solange es noch Wagner gab, machten zumindest die letzten Generationen Erfahrungen mit kriegerischen Handlungen.
Dieses Schnittmesser ist von einem Wagner, der im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verlor. An seiner Prothese war ein Haken, mit dem er dieses Messer führen konnte:

Küfer verwendeten geschwungene Schnittmesser, mit denen sie die Fassdauben bearbeiten konnten.

Das Schnittmesser wird frei geführt. Das Messer selbst hat keinen justierbaren Anschlag. Deshalb ist es für gröbere Arbeiten geeignet (aber feinere Arbeiten als mit dem Breitbeil).

Das Schnittmesser wird immer mit der nach außen auslaufenden Maserung des Holzes geführt. Gegen die Maserung geführt, läuft das Messer in das Werkstück, was evtl. Löcher im Fertigprodukt erzeugt.

Die typischste Verwendung des Schnittmessers in der Wagnerei besteht im Schneiden der Speichen eines Wagenrades. Dazu werden die Speichen in einer besonderen Vorrichtung der Werkbank eingespannt (siehe unter “Bankhaken”).

Daneben ist das Schnittmesser das besondere Werkzeug am Schnittstuhl, der im 19. Jh. in keiner Werkstatt für Holzbearbeitung fehlte. Jeder größere Bauernhof war auch damit ausgestattet, um kleinere Arbeiten selbst ausführen zu können.

 

 

Schabhobel (Schweifhobel)

Mit dem Schweifhobel ist die nächste Stufe in der Führung der Klinge beim Zerspanungsprozess von Holz erreicht. Durch die variable Fixierung der Klinge im Werkzeug kann der Spanabtrag justiert werden.

Durch die Justierung des Messers kann die Dicke der Spanabhebung eingestellt werden. Deshalb ist der Schabhobel geeigent, nach der Verwendung des Schnittmessers die Bearbeitungsspuren weitgehend zu beseitigen.

Ziehklinge, Schaber

Die letzte Feinarbeit vor dem Einsatz von Schmiergelpapier kann mit der Ziehklinge gemacht werden. Die scharfe Kante der Klinge hebt nur sehr feine Späne ab.

 

Raspel

Die Raspel oder Holzfeile kann für punktuelle Abspanungen eingesetzt werden.
Sie sind erhältlich in flacher, halbrunder und runder Form.

Die beiden Seiten einer halbrunden Raspel: halbrund und flach.
Außerdem oben mit feiner Zähung und darunter mit grober Zähnung.

 

Hobel

Grundsätzliche Konstruktionsunterschiede
Rauhbank
Schrupphobel
Schlichthobel
Doppelhobel
Putzhobel
Reformputzhobel
Simshobel
Profilhobel  als Schrupphobel
Nuthobel
Profilhobel für konkave Flächen
Profilhobel für konvexe Flächen
Profilhobel für Winkel
Profilhobel für Leisten (Verzierungen)
Sonderformen

Der Hobel erlaubt eine kontrollierte Führung der zerspanenden Klinge.
Es gibt unterschiedlichste Hobel für verschiedene Zwecke. Vor dem Einsatz von Fräsmaschinen wurden z.B. auch im Fensterbau Profilhobel dazu benutzt, die Abstufungen in den Fensterrahmen zu hobeln.

Grundsätzliche Konstruktionsunterschiede

Hobelkörper aus einer Holzsorte

Hobelkörper mit Hobelsohle aus härterem Holz

Hobel mit Holzlager für den Befestigungskeil für das Messer

Hobel mit Metallblock für den Befestigungskeil

Hobel mit metallenem Anschlagpunkt zur Lockerung der Messerbefestigung

Einfaches Messer

Messer mit Klappe (Doppelhobel)

   

Messer mit Justiervorrichtung für die Klappe

   

Messer mit Aufnahmenippel für die Justierschraube


… in diesem Fall aber nicht benutzt

RAUHBANK

Die Rauhbank ist ein Langhobel, mit dem Balken und Bretter plan bearbeitet wurden. Seit dem Aufkommen von elektrisch betriebenen Hobelmaschinen und Abrichten verlor die Rauhbank ihre Bedeutung.

 

 

SCHRUPPHOBEL

Ein Schrupphobel wird für rohe Zurichtarbeiten benötigt. Damit er tief ins Holz eingraben und entsprechend viel abtragen kann, ist er schmal und der Schliff der Klinge ist rund geformt.


An alten Möbeln aus Massivholz kann man auf der hinteren Seite der Rückwand meist noch die groben Spuren des Schrupphobels sehen.

Typische Maße:

Hobelsohle eben und 45 – 50 mm breit
Eisen 30 – 33 mm breit, abgerundet und im Winkel von 45° im Hobelkörper befestigt.
Der Schrupphobel ist üblicherweise mit einem einzelnen Eisen ausgestattet.

Alte Schrupphobel:

Es gibt aber auch Schrupphobel mit gerundeter Sohle.
Mit ihnen sind dann auch rinnenförmige Vertiefungen aushobelbar.

 

Daneben gibt es auch Hobel mit abgerundeter Schneide, deren Sohle schaukelartig geformt ist – Schiffhobel.

Schrupphobel sind immer mit einfachem Messer ausgestattet – also ohne Klappe.

 

SCHLICHTHOBEL

Mit dem Schlichthobel wird das mit dem Schrupphobel grob vorbearbeitete Werkstück geglättet (“geschlichtet”).

Schlichthobel mit einfachem Hobeleisen

 

DOPPELHOBEL

Der Doppelhobel ist ein Schlichthobel oder Putzhobel mit Doppeleisen.

Das zweite Eisen, “Klappe” genannt, setzt etwa 1mm nach der Schneide des Hobeleisens an und bricht oder biegt den Hobelspan.

PUTZHOBEL

Der Putzhobel ist Synonym für Schlichthobel

REFORMPUTZHOBEL

In der Hobelsohle ist vor dem Eisen eine verstellbare Platte eingearbeitet. Damit ist der Spalt zwischen Messer und Hobelsohle einstellbar.

Dieser Reform-Putzhobel hat ein Doppeleisen. Das zweite Eisen (Klappe) bricht den Span nach dem Hobeln. Mit einer Rändelschraube kann der Anpressdruck der Klappe auf das Messer eingestellt werden.

SIMSHOBEL

Der Simshobel ist schmal und sein Messer reicht über die gesamte Breite der Hobelsohle.

Simshobel als Schruppbobel
bzw. Profilhobel zur Bearbeitung konkaver Flächen

Simshobel mit einfachem Messer

Simshobel mit Schlagblock zur Messerlockerung

Dieses Hobelmesser ist eigentlich auch als Doppelmesser verwendbar, sitzt aber als Einzelmesser im Hobel. Es ist so weit runtergeschliffen, dass es nicht weiter geschärft werden kann.

Simshobel mit Doppelmesser und mit beweglichem vorderen Sohlenteil (Reformhobel)

 

PROFILHOBEL (FACONHOBEL)

Typisch ist dieser Hobel z.B. für den Möbel- und den Fensterbau. Die Leisten in den alten geteilten Fenstern wurden nicht wie heute gefräst, sondern gehobelt.
Der Profilhobel wird auch Grathobel oder Nuthobel genannt – je nach dem, welches Profil damit erzeugt wird.
Es gibt auch Profilhobel mit zwei einzelnen Messern.

Manche Profilhobel haben einen verschiebbaren Anschlag. Dieser kann aus verschiedenen Materialien bestehen.

Zunächst ein Profilhobel mit Anschlag aus Holz.

 

Dieser Profilhobel hat einen Anschlag aus Aluminium.

Das hochwertigste Anschlagmaterial (entwicklungsgeschichtlich neueste?) ist Messing.

NUTHOBEL

Profilhobel für konkave Flächen

Profilhobel für konvexe Flächen

Profilhobel für Winkel

Profilhobel für Leisten (Verzierungen)

Spezielle Hobelformen

GRUNDHOBEL

Der Grundhobel ist eine besondere Form des Nuthobels.
Dieser Grundhobel ist ohne Messer. Diese gibt es in verschiedenen Breiten, z.B. 10, 15 und 20 mm.

Hobel mit Stahlsohle

Dieser Hobel ist seiner Form nach ein Putzhobel mit Doppeleisen

Hobel für Stangen mit Stahlsohle

Hobel mit fast senkrecht stehendem Messer

Das Hobeleisen schabt damit über das Holz – es schneidet nicht.
Verwendung z.B. für die Stirnholzseite eines Werkstückes.

ZAHNHOBEL

Das Hobeleisen des Zahnhobels steht mit einem Schnittwinkel von 80° fast senkrecht. Das Eisen hat feine Rillen und rauht damit die Oberfläche des Werkstücks auf, um es z.B. zur Verleimung vorzubereiten.

SPANHOBEL

Mit dem Spanhobel wurden Späne gewonnen für den Bau von Spanschachteln.


Die Spanschachtel als Produkt

Meine Hobelsammlung ist mit Stand von Mitte 2020 auf 250 restaurierte Hobel angewachsen.

Stemmeisen, Stecheisen (Stechbeitel)         

Die ältesten Stechbeitel waren Einzelanfertigungen durch Schmiede. Die Holzgriffe hatten keine genormte Form, sondern waren ebenfalls Einzelanfertigungen in sehr variabler Gestaltung.
Da der Stechbeitel mit einem Hammer ins Holz geschlagen wird, sollte der Holzgriff zwei Eisenarmierungen haben: Eine an der Unterseite, wo der Eisenbeitel gefasst wird und eine an der Oberseite, die mit dem Hammer geschlagen wird. Beide Eisenringe schützen den Holzgriff vor dem Ausbrechen.

An der sehr individuellen Form sowohl der Eisenteile als auch des Holzgriffs ist zu erkennen, dass diese Stemmeisen Einzelanfertigungen aus der handwerklichen Produktion sind. Am linken Stemmeisen erkannt man, warum auch an der Oberseite eine Eisenarmierung sein sollte.


Auch bei diesen Stemmbeiteln erkennt man die individuelle Form und das Fehlen der Armierung bei der Schlagfläche.
Das linke Stemmeisen besitzt schon die typische Normierung der industriellen Produktion, ist aber in diesem Fall ohne Griff.


Eigentlich sollten die Griffe aller Stemmbeitel mit Eisenarmierungen an beiden Enden versehen sein.


Die Eisenklingen dieser Beitel lassen schon die typische Normierung der industriellen Form erkennen, sind aber mit individuellen Griffen versehen. Am dritten Beitel von links erkannt man, wozu das Fehlen der Armierung unter der Schlagfläche führt.
Die beiden rechten Beitel lassen auch in der Form der Griffe die industrielle Normierung erkennen. Sie sind natürlich mit zwei Armierungen versehen.

Individuelle Einzelanfertigungen

Gemarkte industrielle Fertigungen
Die ersten vier wurden wohl nachträglich mit eigenem Heft versehen.
Die rechten beiden haben industriell genormtes Heft.

Hohlbeitel

Individuelle Einzelanfertigungen, an der konkaven Seite geschliffen

Alle Beitel sind auf der konvexen Seite geschliffen. 3 – 5 und ganz rechts sind mit Armierung unten und oben versehen. 4 und 5 haben industriell genormtes Heft.
Der Beitel ganz rechts ist eher ein kleiner Mollenbeitel in Form eines Hohlbeitels.

Drechselbeitel


Mit Drechselbeiteln wird auf der Drehbank gearbeitet – in der Wagnerei besteht die typischste Arbeit im Drehen der Naben. Drechselbeitel haben lange Griffe und keine Armierung an der Oberseite, weil sie nur gehalten und nicht geschlagen werden.

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Säge

Blattsäge oder “Sachsensäge”, auch Zweimann-Schrotsäge (siehe oben)

Gespannte Strecksägen: Gestellsäge

Jede Gestellsäge besteht aus dem Sägeblatt, dem hölzernen Gestell und der Spannvorrichtung.

Am unteren Ende der Holmen ist das Sägeblatt befestigt und an den gegenüberliegenden Enden die Spannvorrichtung.
Der Sägesteg gibt die definierte und der Länge der Säge entsprechende Distanz der beiden Holme vor.
Varianten gibt es bezüglich

  • dem Sägeblatt
  • der Fassung des Sägeblattes und
  • der Spannvorrichtung.

Zunächst die beiden Gestellsägen mit dem längsten und dem kürzesten Sägeblatt aus meiner Sammlung:

Meine größte Gestellsäge hat eine Blattlänge (wirksame gezähnte Schnittlänge) von 81 cm, die kürzeste von 51,5 cm.
Dazwischen gibt es jede Länge fast im Zentimetertakt. Eine Normierung ist nicht zu erkennen. Jeder Hersteller hat seine eigene Blattlänge hergestellt und dazu das Gestell geliefert.

Die Recherche in meinem Lager unter drei Dutzend Gestellsägen hat ein neues Hit-Paar erbracht:


Das kürzeste Sägeblatt von 46 cm Länge und das längste von 85 cm Länge.

Das breiteste und das schmalste Sägeblatt in Gestellsägen aus meiner Sammlung:

Das breiteste Blatt misst 52 mm und das schmalste nur 8 mm.

Der Verwendungszweck der Gestellsäge wird vornehmlich durch das Sägeblatt vorgegeben.

Breite Sägeblätter sind gut für gerade Schnitte, mit schmalen Sägeblättern sind auch gekrümmte Schnitte realisierbar.

Die Zähnung reicht in meiner Sammlung von 13 Zähnen pro Dezimeter bis zu 39 Zähnen/dm.

Da das Sägeblatt gespannt (gestreckt) ist, können auch dünne Sägeblätter verwendet werden.

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Fassung des Sägeblattes im Gestell

In der ältesten Form hat das Sägeblatt einen schmalen Fortsatz, der in den runden Griff ragt und darin mit einem Nagel gefasst ist:

Die nächste Entwicklungsstufe stellt der am Sägeblatt angenietete Adapter dar:

Als nächster Entwicklungsschritt folgte der Ersatz der Niete durch eine Schraube. Der Adapter ist natürlich mit einer Schraube im Griff gefasst und ist jetzt nicht mehr Teil des Blattes, sondern Teil des Gestells:

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Spannvorrichtung

Die ursprüngliche Spannvorrichtung bestand in Hanfschnüren, die mit einem Knebel durch Drehen gespannt wurden. Dasselbe ist auch mit Draht möglich:

Der nächste Schritt besteht darin, den vorgedrehten Draht mit einer Flügelmutter zu spannen:

Der vorgedrehte Draht kann auch durch eine Stange ersetzt werden:

Der letzte Entwicklungsschritt besteht in der Verwendung eines Schnellspannhebels:

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Markung

Mein Großvater hieß wie mein Vater “Heinrich Krieg”.
Natürlich markte er seine Werkzeuge mit HK.

 

Wie meine Sammlung zeigt, waren Gestellsägen um das Jahr 1900 sehr vielgestaltig und weit von einer Normierung entfernt.

 

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Gespannte Strecksägen: Bügelsäge

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Gehrungssäge

Ungespannte Heftsägen:

Fuchsschwanz

Feinsäge

Gratsäge

Bohrer

Löffelbohrer

Bohrer für Benutzung mit Heft

Bohrwinden, Handbohrmaschinen, Elektrobohrmaschinen

Bohrer für Bohrwinden und verschiedene Bohrfutter

Bohrer für Bohrmaschinen

Spiralbohrer

Drillbohrer

Schlangenbohrer

Flachfräsbohrer

Forstnerbohrer

Schraubzwinge

Anreißer

Zirkel

Stechzirkel, Greifzirkel

Winkel

Rechter Winkel, Winkellehre (Schmiege)

Schieblehre (Messschieber)

Zange

Beißzange

Flachzange

Rohrzange

Ahle

Schraubendreher

Engländer und Franzose

Schraubenschlüssel

Arbeitsmittel

Hobelbank

Bankhaken

Bankhaken für den Speichenschnitt

Schnittstuhl

Fügbock (Klemmbock) mit Niederhalter

Schiebebock

Radgrube

Schleifstein

Wagenheber

Kastenwinde

Entwicklung der Werkzeuge

Vom holzbasierten Handwerk zur stahlbasierten industriellen Fertigung

Die ältesten Werkzeuge, die ich in der Werkstatt meiner Vorväter finden konnte, waren entweder vom Wagner selbst aus Holz gefertigt, vom Schmied handgeschmiedet oder von beiden in Kooperation hergestellt.

Allgemein kann man den Trend vom zunächst holzbasierten Handwerk, bzw. der Kooperation von Wagner und Schmied, zur stahlbasierten industriellen Fertigung feststellen. Dieser Trend gilt nicht nur für die Werkzeuge, sondern auch für die Fertigprodukte. Der Tod des Wagnerberufes bestand im Übergang vom holzbasierten Wagenbau zum stahlbasierten Karrosseriebau. Dieser wurde schon vorher in den Fertigprodukten wie Pflügen, Eggen und anderen Werkzeugen für die Feldbestellung vorweg genommen.


Bremsschuh

Frühe Mechanisierung

(von Menschenkraft betriebene Drehbank)

Verschwinden von Werkzeugen durch die maschinengestützte Produktionstechnik